Das erste komplexe PTBS Online-Treffen mit einem Vortrag von Dr. Ingeborg Baldenius

Darum wird es in dem Vortrag gehen:

„Jemand der traumatisiert ist, der lebt in der Vergangenheit. Der hat Angst vor seinen eigenen Erinnerungen.“ (Prof. Dr. Frank Neuner) Das Erlebte drängt sich immer wieder in Gedanken, Bildern, oder in Form von Albträumen auf. Oftmals ausgelöst durch sogenannte Trigger. Das können ein bestimmter Geruch oder ein Geräusch sein, oder jemand, der Ähnlichkeiten mit dem traumaverursachenden Täter hat. Diese Trigger versetzen uns immer wieder in unaufgearbeitete Traumasituationen zurück.

Menschen, die schwerste Traumatisierungen erfahren haben, sind sich diesen nochmal anders bewusst, als Menschen, die leichter zu verdrängende Traumata erlebt haben. Diese gehen auch oftmals mit dysfunktionalen Familienstrukturen einher, die ihnen seit ihrer Kindheit so bekannt sind. Es ist aber in beiden Fällen immer ein Kraftakt traumatisierende Erlebnisse zu verdrängen. Die Scham und die Angst sich als traumatisierte Person zu begreifen sind groß. Es fällt schwer Vertrauen aufzubauen und offen mit sich und anderen umzugehen. Obwohl man sich so gut wie möglich versucht anzupassen und Normalität zu bewahren, können einen einfachste Situationen schnell überfordern. Außerdem sind Zwänge beispielsweise häufig Ausdruck eines verstärkten Kontrollbedürfnisses, sozusagen ein Versuch, die mit dem Trauma verbundenen Gefühle von Kontrollverlust zu kompensieren. Auch Süchte sind bekanntermaßen Kompensationsmechanismen.

Das Ziel der Traumatherapie, aber auch der komplexen PTBS Treffen ist es anzuerkennen, dass man traumatisiert ist. Zu den ersten Schritten gehören die Akzeptanz von sich selbst und der Symptomatik. Das ist der Grundstein, um Selbstbewusstsein aufzubauen und ein selbstbestimmteres, glücklicheres Leben zu führen.

Der Vortrag wird 20 Minuten dauern. Es wird zudem 20 Minuten geben, um Fragen stellen zu können.

Meine persönliche Erfahrung mit meinem Trauma:

„Ich hätte nie gedacht, dass es mir so viel Erleichterung, so viel mehr innere Stärke und Selbstbewusstsein bringen würde, wenn ich über mein Trauma spreche.“

Lange Zeit war mein Trauma der Teil meines Lebens, den ich so gut wie möglich versuchte auszublenden. Den ich mit mir selbst ausmachte, klein redete, niemals aussprach. So würde es weggehen. Falsch gedacht. Die Gefühle und die Belastung, die ich in den traumatischen Situationen fühlte, kamen immer wieder hoch. Ein Trauma ist wie ein großer Wasserball, denn man mit aller Kraft versucht nach unten zu drücken. Irgendwann schnellt er aber wieder an die Oberfläche, und zwar mit der gleichen Wucht, mit der man ihn versucht hat runterzudrücken. Genauso war es auch für mich. Nach langer Zeit der Selbsthilfe mit Büchern, Tagesroutinen, gesunden und auch ungesunden Bewältigungsmechanismen kam ich an den Punkt, dass mir nur noch eine Traumatherapie die Erfolge brachte, die ich mir von all den anderen Methoden so lange erhoffte. Eine Traumatherapie, die ich lange für nicht notwendig gehalten habe, weil ich mich nicht mit den Gefühlen, dem Schmerz und der Scham auseinandersetzen wollte. Aber der Weg dahin war lang und die Selbstzweifel, Ängste und Stimmungsschwankungen groß. Deshalb ist es mir so wichtig, dass traumatisierte Menschen in meinem Umfeld, in München und von überall aus der Welt ein kürzerer Weg bis zu ihrer Traumabewältigung ermöglicht werden kann. Ein Weg, den man gemeinsam geht mit Menschen, die einen wirklich verstehen können.